Siedfarber. Die Entstehung

Siedfärber, Siedfärver und andere Schreibweisen) ist der Vulgo-oder Genanntname der Familie Strunz, die diese Gaststätte errichtet hat. Vulgonamen sind in Delbrück weit verbreitet. Sie entstanden dadurch, dass über einen sehr langen Zeitraum zwei Namensrechte nebeneinander existierten. In Delbrück war zunächst das Hausnamenrecht üblich. Nach diesem Recht übernahmen auch Männer, die in ein anderes Haus  zogen, etwa weil sie die Erbtochter geheiratet hatten, den Hausnamen. Dieses Namensrecht konkurrierte mit dem preußischen Namensrecht, wonach die Familie den Namen des Vaters trug. Der Name Siedfarber taucht in Delbrück erstmals 1623/24, also zu Beginn des 30-jähringen Krieges, auf. Im Zeitraum zwischen Ostern 1623 und Ostern 1624 kauft ein Wilhelm Seidtferber ein Hausgrundstück am unteren Ende der heutigen Kleinen Straße in Delbrück. Er siedete (kochte) Farbe zum Färben von Tuchen.

 Im Siedfarber-Haus befand sich noch im 18. Jahrhundert eine Färberei. Noch im Verlauf des 17. Jahrhunderts war das Haus in den Besitz der Familien Nebel und Wescher übergegangen. Beide Familien betrieben offenbar das Färberhandwerk, genau wie die Familie Rieländer, die 1690 durch Einheirat in den Besitz des Hauses kam. Alle diese Familien wurden mit Beinamen Siedfarber genannt. Johannes Henricus Strunz heiratete am Ende des 18. Jahrhunderts Maria Elisabeth Antonetta
Franzisca Rieländer und übernahm mit ihr das Haus. Die Familie Strunz genannt Siedfarber, gab das Färberhandwerk auf und betrieb eine Schmiede. Obwohl die Familie später, ins Nachbarhaus einzog und später mehrfach umzog, blieb der Beiname Siedfarber erhalten.
Durch den Namen der Gaststätte wird eine uralte Namenstradition weiter geführt.